Zeugnisse

Welche Angaben wesentlich sind.

Zwischen- und Arbeitszeugnis

Zwischenzeugnis

Einen Rechtsanspruch auf ein Zwischenzeugnis haben Sie erst nach Aussprechen der Kündigung. Allerdings können Sie mit einer plausiblen Begründung auch schon vorher um ein Zwischenzeugnis bitten. In aller Regel werden Sie damit Erfolg haben.

Arbeitszeugnis

Wenn Sie Ihre Bewerbung versenden, werden Sie in der Regel auch die Arbeitszeugnisse von früheren Beschäftigungen mitschicken. Diese vermitteln den Unternehmen einen Eindruck Ihrer Arbeitsweise und Qualifikation. Jeder Arbeitnehmer hat bei Beendigung seines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Während ein einfaches Zeugnis nur Angaben über Art und Dauer der Beschäftigung enthält, führt ein qualifiziertes Zeugnis den ausführlichen Nachweis über erbrachte Leistungen sowie die Beurteilung Ihres Verhaltens, kurz: alle wesentlichen Angaben für Ihre Gesamtbeurteilung, die der Wahrheit entsprechen, von verständigem Wohlwollen Ihres Arbeitgebers getragen sind und Ihr Fortkommen nicht unnötig erschweren. Ein solches qualifiziertes Zeugnis müssen Sie beim Ausscheiden ausdrücklich verlangen. Wer lediglich ein einfaches Zeugnis einreicht, muss mit Skepsis beim Personaler rechnen. Aus dem Briefkopf oder Firmenstempel muss Name und Anschrift des Ausstellers eindeutig hervorgehen. Die Aussagen werden durch die eigenhändige Unterschrift Ihres Arbeitgebers oder Vorgesetzten bestätigt. Als Faustregel gilt: Je persönlicher und individueller das Zeugnis verfasst ist, desto überzeugender wirkt es. Ein Schlusssatz, der tiefes Bedauern über Ihr Ausscheiden zum Ausdruck bringt, ist von besonderem Wert. Achten Sie zudem auf folgende Angaben:

  1. Allgemeines: Art des Zeugnisses (z. B. Zwischenzeugnis, qualifiziertes Zeugnis). Persönliche Daten: Vorname, Name, gegebenenfalls akademischer Titel. Nur mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung: Geburtsdatum, Geburtsort und Wohnort. Genaue Berufsbezeichnung: Dauer der Beschäftigung, Ausstellungsort und -datum. In jedem Falle sollte eine ranghohe Person Ihr Zeugnis unterschreiben, am besten der Personalchef oder Geschäftsführer persönlich.
  2. Angaben zu Arbeitsplatz, Aufgaben, Tätigkeitsfeldern und Laufbahn des Arbeitnehmers. Beschreibung aller Aufgaben und Veränderungen des Aufgabengebiets und des Arbeitsplatzes. Darstellung der persönlichen Entwicklung oder Laufbahn mit Angabe der errungenen Positionen innerhalb der Betriebshierarchie. Genaue Aufgabenbeschreibung, Kennzeichnung und Charakterisierung der Sonderaufgaben und der konkreten Erfolge. Hervorhebung aller besonderen Kenntnisse, die sich der Arbeitnehmer angeeignet hat und die über das eigentliche Arbeitsgebiet hinausreichen.
  3. Qualitative und quantitative Leistungsbeurteilung. Einschätzung der Arbeitsleistung mit Herausstellung der positiven Eigenschaften des Arbeitnehmers. Beurteilung seines persönlichen Engagements und der Weiterbildungsinitiativen, der Lernfähigkeit und Qualifizierungsbereitschaft sowie der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit. Bewertung seiner Vertrauenswürdigkeit und Loyalität sowie seines Verhaltens gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten. Bei Führungskräften kommt hinzu: Führungsfähigkeit, Führungsverhalten und auch hier Urteils- und Entscheidungsfähigkeit. Begründung der Beendigung des Arbeitsverhältnisses (wichtig: Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis, darf der Kündigungsgrund nur im Falle von wirtschaftlichen Gründen – Strukturveränderungen, Rationalisierungsmaßnahmen etc. – genannt werden).
  4. Gesamtbeurteilung und wohlwollender Abschluss.

Achten Sie unbedingt darauf, dass keine wichtigen Aufgabenbereiche und deren qualifizierte Bewertung fehlen. Es empfiehlt sich, für die Begutachtung Ihres Zeugnisses professionelle Hilfe wie den Betriebsrat oder die Sozialberatung in Anspruch zu nehmen. Bedenken Sie, dass die Einschätzung Ihrer Fähigkeiten durch den Personaler entscheidend von Ihrem Zeugnis abhängt. Ergeben sich die geringsten Zweifel, dass die Beurteilung für Ihr weiteres Fortkommen hilfreich ist, fechten Sie diese unbedingt und möglichst unmittelbar nach Erhalt an. Holen Sie sich bei Berufs- und Sozialberatungsstellen der Arbeitsämter, Betriebe und privaten Berufsberatungsgesellschaften Informationsmaterial über Gestaltung, Inhalt und Benotung von Arbeitszeugnissen. Darin finden Sie alle wichtigen Formulierungen, die üblicherweise zur offenen und versteckten Bewertung gebräuchlich sind. Werden Sie aufgefordert, Ihr Zeugnis selbst zu entwerfen, sollten Sie sich aber im Wesentlichen auf die Aufgabenbeschreibung beschränken. Die genaue und qualifizierte Beurteilung bleibt Ihrem Arbeitgeber überlassen.

Benotung

Wichtig für Ihr berufliches Fortkommen sind vor allem Benotungen, weil Sie Ihre Fähigkeiten und Qualifikationen objektivieren. Insbesondere in Arbeitszeugnissen, Zertifikaten und Leistungsbeurteilungen sind Noten häufig indirekt formuliert. Achten Sie in solchen Fällen auf folgende Hinweise:

  1. Obwohl einige Firmen dazu übergehen, von den üblichen Standardformeln abzuweichen, gelten folgende gebräuchliche Formulierungen:
    - stets zu unserer vollsten Zufriedenheit = sehr gut
    - stets zu unserer vollen Zufriedenheit = gut
    - stets zu unserer Zufriedenheit = befriedigend
    - zu unserer Zufriedenheit = ausreichend
    - im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit = mangelhaft
    - hat sich bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zur Zufriedenheit zu erledigen = ungenügend
  2. Daneben gibt es eine Vielzahl verschlüsselter Formulierungen, die nur im Zusammenhang interpretiert werden können. Beispielsweise ist der Ausdruck "ordnungsgemäß" für die Arbeit eines Buchhalters sehr positiv, vermittelt jedoch in anderem Zusammenhang, dass Sie bürokratisch und ohne Eigeninitiative gearbeitet haben. Erfolglosigkeit wird signalisiert durch Formulierungen wie "sich bemüht zeigen" oder "Gelegenheit haben, bestimmte Aufgaben zu erfüllen". Abwertend ist auch, wenn nur Ihre Aufgaben, vielleicht noch Ihr Verhalten zu Mitarbeitern und Vorgesetzten beschrieben werden, Ihre Leistungen aber mit keinem Wort Erwähnung finden. Das gilt auch für das Weglassen von Beurteilungen, die bei bestimmten Berufen erwartet werden, insbesondere von Kennzeichnungen wie "zuverlässig", "loyal", "entscheidungsstark", "belastbar" und von Steigerungsformen wie "sehr", "äußerst", "überaus" usw.
  3. Schwierig ist es mit der Kennzeichnung "ehrlich". Grundsätzlich steht sie auf einer Stufe mit Zuverlässigkeit oder Loyalität. Ist sie aber die einzige Beurteilung, wo man noch weitere erwarten würde oder steht sie in einem ungewöhnlichen Zusammenhang, kann sie das Gegenteil signalisieren. Das Gleiche gilt für andere Selbstverständlichkeiten wie Pünktlichkeit, Ordentlichkeit oder Disziplin.
  4. Ihre Beurteilung ist umso besser, je mehr relevante Schlüsselwörter sie enthält, wie z. B. "schwierige Arbeiten", "Verantwortung", "Initiative", "Erfahrungen" und "Sinn für das Wesentliche". Was für einen positiven Eindruck ebenso nicht fehlen sollte, sind ein ausdrückliches Bedauern über Ihren Verlust als qualifizierten Mitarbeiter, ein herzlicher Dank für die geleistete Arbeit sowie die besten Wünsche für den weiteren beruflichen Werdegang und die persönliche Zukunft.